Maluma – Zwischen Traum und Wirklichkeit

Latin-News

Ein 24-jähriger Kolumbianer rappt, raunt, rockt und säuselt sich in die Oberliga internationaler Entertainer.

Soy soña dor“ steht auf Malumas Merchandise-Shirts, die er bei Konzerten auch selbst trägt. Drei Worte, untereinander. Schreibt man „soñador“ zusammen, hieße das auf Spanisch „Ich bin ein Träumer“. Das passt. Schon als Kind träumte der heute 24-jährige Kolumbianer neben Fußball von einem Leben für die Musik – heute lebt er von ihr. Und das wohl gar nicht schlecht, mit 17 Millionen Youtube-Abonnenten, monatlich mehr als 18 Millionen Hörern beim Streamingdienst Spotify und der zweiten Welttournee, die ihn derzeit nach Deutschland führt: nach Hamburg, Berlin, München, Oberhausen und Frankfurt.

Mit 15 schrieb der mit Salsa und Reggaeton – in den 90ern in Puerto Rico entstandene Kreuzung aus HipHop und karibischem Dancehall – sozialisierte Junge angeblich seinen ersten Song, der teenagergerecht trotzig „No Quiero“ heißt – ich will nicht. Aber er wollte. Und sein Onkel wandelte den Traum in Realität: Zum 16. Geburtstag schenkte er Juan Luis Londoño Arias, wie Maluma hieß, bevor er Maluma wurde, eine Studioaufnahme.

Eine Tante beim Fernsehen stellte Kontakt zur Musikindustrie her. So wurden auf seine ab 2010 veröffentlichten Singles erst regionale Radiostationen und dann Sony Music Colombia aufmerksam. 2012 erschien sein erstes Album „Magia“, 2014 wurde er Juror bei der kolumbianischen Ausgabe von „The Voice Kids“ und Gastgeber der TV-Sendung „Kids‘ Choice Awards“, 2015 folgte das zweite Album „Pretty Boy, Dirty Boy“, 2016 erreichte er erstmals die Spitze der Billboard Hot Latin Charts: mit seinem Shakira-Duett „Chantaje“. Kollaborationen mit Ricky Martin, Justin Timberlake, Prince Royce und Flo Rida folgten.

2018 sang er die spanische Version von Jason Derulos WM-Song „Colors“ und veröffentlichte im Mai das unter anderem mit Daddy Yankee aufgenommene dritte Album „F.A.M.E.“. Das heißt auf Englisch „Erfolg“. Maluma zufolge steht die Abkürzung für „Faith, Alma, Music & Essence“ – Spanglisch für Glaube, Seele, Musik, Hauptsache.

Er glaubt an sich, hängt seine Seele rein, macht Musik – ist das wirklich alles, was zählt? Zu den laut Konzertveranstalter acht Milliarden Youtube-Views und fast 32 Millionen Instagram-Followern verhalfen dem 24-Jährigen neben Vision, Stimme und Songwriting auch das Aussehen. Mit Dreitagebart, zurückgegeltem Dutt und reichlich Tätowierungen strahlt er den Macho-Charme eines Rhett Butler aus, hat das hübsche Gesicht des jungen Orlando Bloom, den Hüftschwung Ricky Martins und das Spitzbübische von Elyas M’Barek. Dazu ein Händchen für dramatische Videos und geschmeidige Inszenierungen zwischen Gangsta Rapper und Dior- gemixt mit Bacardi-Werbung. Das Video zu seinem wunderbar mitpfeifbaren „Felices los 4“ sahen bislang schon mehr als 1,4 Milliarden Menschen.

Malumas Musik ist vielfältig, vereint Reggaeton, Funk, Flamenco, sogenannten Urban Pop und Latin Trap – er gilt als Vorreiter dieser fröhlich-leichten HipHop-Variante. Die Musikzeitschrift „Rolling Stone“ bezeichnet ihn als den nächsten Crossover-Star des Latin Pop und das „People“-Magazin fügte ihn soeben zur Liste der „Ones to watch“ hinzu, der Leute, die man auf dem Schirm haben sollte.

Live bringt der Kolumbianer andere zum Träumen. Vorrangig junge Frauen, wie die 15-Jährige, die er am Samstag in der Münchner Olympiahalle auf die Bühne holte, um ihr zwischen „Mala Mía“, „El Perdedor“ und „Marinero“ romantische Zeilen ins Ohr zu säuseln. „Das ist für mich solch ein Traum“, schwärmte er. „München ist nämlich ganz schön weit weg von zuhause.“

Nach schön puren akustischen Momenten wie diesem nehmen die vierköpfige Band und die Pyrotechnik wieder Fahrt auf, zu reichlich „corazón“ gesellt sich „make some noise!“. Deshalb finden sich neben weiblichen Fans in den Arenen auch Männer. Mit gut 8000 Besuchern war die Olympiahalle zwar nicht ausverkauft, der Stimmung nach war das aber das letzte Mal so.

Die Krone, die sein M-Logo ziert, trägt Maluma auch eintätowiert in der Haut und auf der Kleidung, die er im Lauf des zweistündigen Auftritts vier Mal wechselt. Steht das für die Ambition, den King of Pop zu beerben? Performance, Tanzstil und Show mit acht sexy Tänzerinnen lassen Michael Jackson als Paten erkennen. Doch dessen Präzision und Perfektionismus fehlen. Zum Glück, macht seine Insouciance doch gerade die Faszination aus – wie er ganz leger den Sänger im Schatten hinter sich die Gesangsarbeit machen lässt, wenn er gerade sein Glück herauslächeln muss, Chapeau!

Ob im Glitzeranzug oder in Jeans zum „Soy soña dor“-Shirt – dieser Dreamer ist noch nicht am Ende seiner Träume: Er will, sagt er, dass Maluma einst als eigenes Genre gilt, dass die Leute ihn kennen als „Maluma, der Star“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.